Der Hintergrund

Die artenreichen Wiesen und Weiden des Südschwarzwalds gehören zu den wertvollsten Kulturlandschaften Europas. Über Jahrhunderte wurden sie durch die Bewirtschaftung von Bäuerinnen und Bauern geschaffen und geprägt. 

Heute bieten sie zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum, tragen zur Attraktivität der Landschaft für Einheimische und Gäste bei und leisten einen bedeutenden Beitrag zur Landwirtschaft und zum Naturschutz. Ihr Erhalt ist jedoch eng an eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung gebunden. Insbesondere die Beweidung mit Rindern trägt dazu bei, die offenen Flächen zu erhalten und einer Verbuschung sowie der Rückkehr des Waldes entgegenzuwirken.

Die Bewirtschaftung stellt die Betriebe jedoch vor große Herausforderungen, da die Bewirtschaftung der oft mageren Standorte nur unter bestimmten Voraussetzungen zukunftsfähig weitergeführt werden kann. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2022 das Projekt KoRinNa („Kooperationen von Berg- und Ackerbauern für Qualitäts-Rindfleisch, Kreislaufwirtschaft und Naturschutz“) initiiert. 
Es verfolgte das Ziel, durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher landwirtschaftlicher Betriebe nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die Naturschutz, regionale Wertschöpfung und eine zukunftsfähige Rinderhaltung miteinander verbinden.
Das Projekt lieferte wichtige Erkenntnisse und Ergebnisse, die die Grundlage für das neue Projekt KoRind (“Entwicklung von Konzepten und Aufbau eines Demonstrationsnetzwerkes für biologische Rindfleisch Kooperationen im Spannungsfeld von Kreislaufwirtschaft, Naturschutz und Qualitätssicherung”) darstellen.

Die Ausgangslage

Es ist eine Herausforderung, Rinder auf den mageren Weiden des Südschwarzwaldes so großzuziehen, dass die Fleischqualität stimmt, der Betrieb wirtschaftlich ist und der Artenreichtum erhalten bleibt.

Das Weidemanagement spielt dabei eine zentrale Rolle. Das KoRinNa-Projekt hat gezeigt, dass ein aufwuchsorientiertes Weidemanagement, bei dem die Rinder durch einen frühen Weidebeginn und angepasste Tierbesätze stets den frischen Aufwuchs abfressen, entscheidende Vorteile bietet.
Die Tiere nehmen mehr Futter auf, weil junges Gras und frische Kräuter ihnen besser schmecken als alter oder gar überständiger Aufwuchs.

Somit ist es auf naturschutzrelevanten Flächen möglich, durch angepasstes Weidemanagement das Vergrasen der Bestände zu vermeiden und damit die Biodiversität zu erhalten. Gleichzeitig ermöglicht junger, nährstoffreicher Aufwuchs, dass Rinder ihr Wachstumspotenzial besser ausschöpfen können. Dadurch können Betriebe höhere Tierzuwächse und bessere Schlachtkörper erzielen, ohne Schäden für den Naturschutz. Für die Wirtschaftlichkeit ist zudem wichtig, dass gute Erzeugerpreise gewährleistet sind, der Staat ausreichende Prämien ausschüttet und die individuellen Standortvorteile konsequent genutzt werden.

Durch Kooperationen können ökonomisch tragfähige Wertschöpfungsketten für Kreuzungskälber aus der Biomilchviehhaltung entstehen, die zum Erhalt des landschaftlich und naturschutzfachlich wertvollen Grünlands im Bergland beitragen.

Die ausführliche Darstellung der Ergebnisse finden Sie in der KoRinNa Abschlussbroschüre.

Die Herausforderung

Gleichzeitig wird deutlich, dass es keine einfachen Standardlösungen gibt.

Landwirtschaftliche Betriebe unterscheiden sich stark in ihrer Flächenausstattung, Stallkapazitäten und betrieblicher Ausrichtung; was an einem Standort funktioniert, lässt sich deshalb nicht eins zu eins auf einen anderen übertragen.

Statt Patentrezepte liefern die Ergebnisse Orientierung: Sie zeigen Handlungsspielräume auf und verdeutlichen, unter welchen Bedingungen Kooperationen zwischen Berg- und Ackerbaubetrieben sowie zwischen Milchvieh- und Mastbetrieben erfolgreich sein können.

Das Ziel

Damit Kooperationen über Betriebs- und Standortgrenzen hinweg funktionieren, müssen ökologische und sozioökonomische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden. Außerdem sind Planungssicherheit, Vertrauen und praxisnahe, individuelle Beratung und Begleitung wichtig, um resiliente und zukunftsfähige Kooperationen aufzubauen.

Wir möchten vorhandenes Wissen und gesammelte Erfahrungen aus KoRinNa und bestehenden Kooperationen verfügbar machen und erlebbare Lernräume kreieren. Deshalb bauen wir mit unseren Partnerbetrieben ein Demonstrationsnetzwerk mit dem Hauptziel des Wissenstransfers auf.

Bei Exkursionen und Betriebsbesuchen auf den Demonstrationsbetrieben erfahren Berufsschüler, Betriebsleiter, Hofnachfolger, Familienmitglieder oder Angestellte von Berufskollegen mehr über die Herausforderungen und Chancen ihrer individuellen Kooperation, schöpfen Motivation, Mut und finden Gleichgesinnte, die sich auch auf den Weg machen etwas Neues auszuprobieren.

Das KoRind-Team stellt dabei das Bindeglied dar und steht begleitend mit individuellen Beratungen zu Themen der Wirtschaftlichkeit, Konzeptionierung und Umsetzung von Kooperationen oder Tiergesundheit zur Verfügung.

Landwirtschaftliche Betriebe unterscheiden sich stark in ihrer Flächenausstattung, Stallkapazitäten und betrieblicher Ausrichtung; was an einem Standort funktioniert, lässt sich deshalb nicht eins zu eins auf einen anderen übertragen.

Statt Patentrezepte liefern die Ergebnisse Orientierung: Sie zeigen Handlungsspielräume auf und verdeutlichen, unter welchen Bedingungen Kooperationen zwischen Berg- und Ackerbaubetrieben sowie zwischen Milchvieh- und Mastbetrieben erfolgreich sein können.

Der Nutzen

Der Plan

Dazu ist das Projekt in vier Bereiche aufgeteilt, die in engem Austausch zusammenarbeiten.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen (HfWU) werden nachhaltige Kooperationskonzepte zu Grünlandbewirtschaftung und Rinderhaltung entwickelt. Darauf aufbauend werden Schulungs- und Informationsmaterialien für den Wissenstransfer in die Praxis erarbeitet.

(Zuständigkeit: Katharina Wacker)

Im Bereich der einzelbetrieblichen Beratung werden Praxisbetrieben bei der Umsetzung von tierischen  Produktionssystemen in Kooperationen  von der Kälberaufzucht über die Mast  bis zur Vermarktung begleitet.

Gleichzeitig werden zwei  Praxisleitfäden entwickelt:

  1. Zu Erfolgsfaktoren kooperativer tierischer Produktionssysteme
  2. Zur Fütterung und Management von Kälbern für die Rindermast

(Zuständigkeit: Anne Wegerhof

Im Kontext der Netzwerkarbeit wird ein Netz an Demonstrationsbetrieben aufgebaut, die als lebendige Lernorte für PraktikerInnen, BeraterInnen und Multiplikatoren aus der Wertschöpfungskette und der Region dienen.
Der Wissenstransfer und die Vernetzung von Akteuren wird weiterhin über Öffentlichkeitsarbeit, Vorträge, Netzwerktreffen, Workshops oder ähnlichen Bildungsangeboten gewährleistet.

(Zuständigkeit: Sandra Ledermüller)

Die professionelle, in der Region fest verankerte Projektkoordination sorgt für eine gute Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsbereichen und stellt über langjährige Kontakte zu relevanten Institutionen und Akteuren die Vernetzung sicher.

Die Projektkoordination kümmert sich um organisatorische, administrative und verwaltungstechnische Belange, wirkt an der Öffentlichkeitsarbeit mit und begleitet die Projektdokumentation.

Darüber hinaus sorgt sie für die administrativen Abläufe sowie die Einhaltung von Fördervorgaben und fungiert  als zentrale Schnittstelle zwischen Projektpartnern, Fördermittelgeber und weiteren Akteuren.  

(Zuständigkeit: Dr. Juliane Wintermantel)

Unser Team

Dr. Juliane Wintermantel

Projektkoordination und Öffentlichkeitsarbeit

Sandra Ledermüller

Netzwerk und Öffentlichkeitsarbeit

Anne  Wegerhof

Betriebsberatung

anne.wegerhof@gmx.de
Tel. 0176 22963857

Katharina Wacker

wissenschaftliche Begleitforschung

katharina.wacker@hfwu.de
Tel. 0152 03993458

Unsere Demonstrationsbetriebe

An dieser Stelle möchten wir Betriebe und Kooperationen aus unserem Netzwerk vorstellen. Diesen Bereich werden wir sukzessive erweitern und mit Leben füllen.

Alle unsere Demobetriebe geben gerne Ihre Erfahrungen weiter und öffnen ihre Türen für neugierige Kollegen und Kolleginnen. Wenn Sie als Einzelperson oder Gruppe Interesse an einer Betriebsbesichtigung haben, sprechen Sie uns gerne an!

Roland Hensler
Holzhof Breitnau

Milchviehbetrieb | Ammengebundene Kälberaufzucht 

Zum Betrieb

Als auf dem Holzhof 2006 eine Stallerweiterung anstand, hat sich Roland verschiedene Betriebe angeschaut und stieß dabei auf ein System mit saisonaler Abkalbung, kuhgebundener Aufzucht und Vollweide. Dieses System erkannte er als stimmig für seinen Betrieb und er hat den Anbau daraufhin so geplant, dass er eine saisonale Abkalbung mit kuhgebundener Aufzucht seiner Kälber realisieren kann. Vor der Umstellung auf Bio hat Roland sich Inspirationen in der Schweiz geholt. Das dort entdeckte System “saisonale Abkalbung – ammengebundene Aufzucht – Vollweide” hat ihm sofort gefallen. Als dann die Stallerweiterung 2008 anstand, entschloss er sich daher, diesen so zu gestalten, dass er eine ammegebundene Aufzucht seiner Kälber realisieren kann.

Zu den Kooperationen

Roland kooperiert mit anderen Betrieben in zwei Richtungen. Die Nachzucht übernimmt für ihn Joachim Faller der für Roland gesext besamt und alle weiteren mit Blau-Weißem Belgier belegt (Milchviehbetrieb, St. Märgen). Mit 3-4 Wochen kauft Roland die Kälber und sie kommen zu ihm auf den Betrieb. Dadurch kann sich Roland voll auf die Erzeugung von Fressern für die Regionale Mast konzentrieren: Er muss nicht künstlich und gesext besamen, sondern lässt einen Limousin Bullen in der Herde mitlaufen und kann alle Kälber, egal ob männlich oder weiblich, zu den gleichen Konditionen in die regionale Mast verkaufen. Hier arbeitet er seit 3 Jahren unter anderem fest mit Daniel Faller (Mastbetrieb, Breitnau) zusammen. Die ausgemästeten Rinder verkauft Daniel an die Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bioweiderind.

Was die Kooperation für alle drei interessant macht? Da sind sie sich einig: Der gemeinsame Anspruch regionale Kreisläufe zu schließen und die kollegiale Vertrauensbasis mit gegenseitiger Wertschätzung, die auch schwierige Zeiten übersteht.

Tobias Lang
Lärchenhof Wutach

Gemischtbetrieb (Grünland, Ackerbau, Kälberaufzucht Rindermast) | Ammengebundene Kälberaufzucht 

Zum Betrieb

Mit der Umstellung auf Bio im Jahr 2018 war Tobias klar, dass er Tier auf seinem Betrieb braucht, um den Nährstoffbedarf seiner Ackerflächen zu decken. Auch sollte die Viehhaltung zusammen mit dem Ackerbau arbeitswirtschaftlich für ihn machbar sein und gleichzeitig zum Vollerwerb ausreichen. Daher kamen für ihn Milchvieh, wie bisher, oder eine Mutterkuhherde, mit nur einem Kalb pro Jahr, nicht in Frage. Nachdem er sich einen Ammenkuhbetrieb im Allgäu angeschaut hat, war die Entscheidung gefallen und Tobias behielt 15 seiner Milchkühe und zieht seither im Schnitt 5 Kälber pro Kuh und Jahr groß.

Zur Kooperation

Die Kälber bekommt er mit rund 2 Wochen von zwei Betrieben in der Region, einer davon ist Joachim Faller (Milchviehbetrieb, St. Märgen). Joachim besamt einen Teil seiner Milchkühe mit Blau-Weißem-Belgier um eine gute Mastleistung für Tobias zu gewährleisten. Sie haben einen Pauschalpreis für die Kälber ausgemacht, was beiden gefällt, da sie nicht bei jedem Kalb wiegen und diskutieren müssen. Das funktioniert allerdings nur mit gegenseitigem Vertrauen und mit ihrer Einstellung “mal ist der eine, mal der andere im Vorteil”. Den Transport übernehmen sie abwechselnd, wie es gerade passt.

Was die Kooperation für alle drei interessant macht? Kurze Wege, unkomplizierte Absprachen und eine verlässliche Partnerschaft!

Die Partner

Lasst uns zusammen mehr bewirken.

Ob Sie mehr über unsere Arbeit erfahren, sich aktiv beteiligen oder einfach nur Hallo sagen möchten – wir sind für Sie da.

Unser Team beantwortet gerne alle Ihre Fragen rund um das Projekt und freut sich über jeden Kontakt.

Dieses Vorhaben wird finanziert mit Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des ELER und mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg.